„Nicht wer als Erster die Waffe ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“
(Niccolo Machiavelli: Das Heer, in: projekt-gutenberg.org)
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es – verbunden mit den maßgeblich durch die UdSSR mit-unterstützten Dekolonialisierungsbestrebungen – auch für den US-Imperialismus einige Legitimationsprobleme. Der Leiter des Planungsstabs im US-Außenministerium, George Kennan entwarf daher 1948 ein Geheim-Memo zur geopolitischen Interessensbestimmung der USA. Darin wird deutlich, warum (Kinder-)Armuts- und Reichtumsfragen immer auch im gesellschaftlichen und globalen Kontext mit weltpolitischen Interessen verknüpft betrachtet werden müssen. So heißt es bei Kennan ganz unverblümt: „Darüber hinaus haben wir ungefähr 50 Prozent des Reichtums der Welt, aber nur 6,3 Prozent der Weltbevölkerung. Diese Disparität ist besonders groß in Bezug auf die Völker Asiens. In dieser Situation können wir es nicht vermeiden, Gegenstand des Neids und des Ressentiments zu sein. Unsere wesentliche Aufgabe in der kommenden Zeit ist es, eine Konstellation der Beziehungen zu konzipieren, die es uns erlaubt, diese Position der Disparität aufrechtzuerhalten, ohne unsere nationale Sicherheit zu beeinträchtigen. Um dies zu tun, werden wir auf alle Sentimentalität und alle Tagträume verzichten müssen, und unsere Aufmerksamkeit wird sich überall auf unsere unmittelbaren nationalen Ziele richten. Wir brauchen uns nicht darüber zu täuschen, dass wir uns den Luxus des Altruismus und der weltweiten Wohltätigkeit leisten können. […] Wir sollten aufhören von vagen — und für den Fernen Osten — unrealistischen Zielen wie Menschenrechten, Anhebung von Lebensstandards und Demokratisierung zu reden. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem unser Handeln von nüchternem Machtdenken geleitet sein muss. Je weniger wir dann von idealistischen Parolen behindert werden, desto besser.“ (George F. Kennan, Memo PPS23, 28. Februar 1948, freigegeben 17. Juni 1974, zit. nach: Diana Johnstone: Die Chaos-Königin. Hillary Clinton und die Außenpolitik der selbsternannten Weltmacht. Aus dem Englischen von Michael Schiffmann. Westend Verlag Frankfurt a.M. 2016, S. 13). Jede zweite Presseerklärung von US-Präsident Trump und von US-„Kriegs“minister Hegseth scheinen spätestens seit März 2026 von diesem gnadenlosen Geist getragen zu sein.
Und lange nach dem Ende des Kalten Krieges, 1990/91, sowie kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde NATO-General Wesley Clark Zeuge von Aussagen über Kriegspläne der US-Führung, die bis heute reichen. Demnach plante das Pentagon bereits im September 2001 einen fünf Jahre andauernden Feldzug, worin insgesamt sieben Länder – angefangen mit dem Irak, dann Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und, abschließend, Iran – angegriffen werden sollten. Erstaunlich daran ist auch, dass sich unter den offiziell genannten Attentätern des 11. September 2001 praktisch nur Personen aus Saudi-Arabien fanden und kein einziger Afghane. Dennoch spielte Saudi-Arabien (als „guter“, also Washington orientierter Terror-Staat) keine Rolle und Afghanistan (als „böser“, also nicht Washington konformer Taliban-Staat) erstaunlicherweise offenbar noch keine Rolle in den völkerrechtswidrigen Aggressions-Plänen der US-Administration. General Clark schreibt dazu in seinem Buch „Winning Modern Wars“: „Als ich im November 2001 durch das Pentagon zurücklief, hatte einer der älteren diensthabenden Militäroffiziere Zeit für eine Unterhaltung. Ja, wir sind nach wie vor dabei, gegen den Irak vorzugehen, sagte er. Aber da war noch mehr. Dies ist als ein Teil eines über fünf Jahre geplanten Feldzugs diskutiert worden, sagte er, und da gab es insgesamt sieben Länder, angefangen mit dem Irak, dann Syrien, Libanon, Libyen, Iran, Somalia und Sudan. […] Er sagte es vorwurfsvoll – beinahe mit Fassungslosigkeit – angesichts der Tragweite dieser Vorstellung. […] Ich verließ das Pentagon an diesem Abend sehr beunruhigt.“ (Clark 2004, S. 130) Inzwischen – im Jahre 2026 – kann festgestellt werden, dass die Liste der von den USA anzugreifenden Länder (die wenige Wochen nach dem 11. September 2001 formuliert wurde), nach einem Vierteljahrhundert als vollständig „abgearbeitet“ angesehen werden kann. Alle genannten Staaten sind von den USA mindestens angegriffen und bombardiert worden und die meisten haben einen US-geführten, neo-kolonialen Regime Change erhalten. In jedem Fall sind sie zu einem großen Teil zerstört.
Indessen hat es für Russland und Deutschland nach dem fürchterlichen Zweiten Weltkrieg und dem deutschen Vernichtungskrieg gegen die UdSSR mit über 27 Millionen sowjetischen Toten viele Jahrzehnte gedauert, bis durch das Bemühen auf beiden Seiten Russophobie und Deutschenhass zugunsten von Vertrauen und sogar Freundschaft ersetzt werden konnten. Innerhalb der letzten 20 Jahre ist es dann gelungen, auf beiden Seiten Ängste und Hass gegeneinander erfolgreich zu schüren. Das Ergebnis der Kriegshetzer kann auf beiden Seiten festgestellt werden. Laut den letzten Umfragen in Russland, welches Land am russlandfeindlichsten sei, hat sich die Bundesrepublik Deutschland vorbei an den USA und der Ukraine auf den ersten Platz nach ganz vorne gearbeitet (vgl. https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/russland-russen-halten-uns-laut-umfrage-fuer-feindseliger-als-die-amis-684491fc28e5c13c1b056562). Angesichts von 27 Millionen Getöteten, kann man sich für diese Regierung und viele Medien in dieser Hinsicht ziemlich schämen (man denke nur an Bundesaußenminister Wadephuls Aussage, Russland sei „für immer unser Feind“).
Und umgekehrt halten 81 Prozent der Deutschen Russland für eine Gefahr für den Weltfrieden. Dies ergibt sich aus Ergebnissen einer repräsentativen Befragung im Januar 2026 durch das Allensbach-Institut im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung. Für den „Sicherheitsreport 2026“ waren zwischen dem 6. und 19. Januar bundesweit 1.077 Menschen im Alter ab 16 Jahren befragt worden. Dabei wurden allerdings auch die USA von fast zwei Drittel der Befragten (65%) ebenfalls als Bedrohung für den Weltfrieden eingeschätzt (vgl. Sicherheitsreport 2026, S. 15 sowie https://www.tagesspiegel.de/internationales/russland-wird-als-am-gefahrlichsten-wahrgenommen-deutsche-sehen-usa-zunehmend-als-gefahr-fur-den-weltfrieden-15234921.html).
Ausgerechnet eine Studie der Konrad Adenauer-Stiftung zeigt jedoch noch 2025 andere Ergebnisse am Beispiel des Themas „Alleinschuld am Ukraine-Krieg“. Nicht nur bei Migrantinnen und Migranten ist da, trotz aller Dauerbeschallung und Feindbild-Propaganda, (immer noch) ganz schön viel Skepsis gegenüber den NATO-Narrativen zu erkennen. Während unter den befragten Deutschen ohne Migrationshintergrund auch nicht etwa 95%, sondern erstaunlicherweise – angesichts der medialen Homogenität – „nur“ 57 Prozent von der Alleinschuld Russlands am Ukraine-Krieg ausgehen, sind Deutsche mit Migrationshintergrund, Ausländer und Aussiedler sogar noch wesentlich nachdenklicher (vgl. S. 102 von Https://www.kas.de/documents/252038/33607021/Einwanderungsgesellschaft+im+Wandel.pdf und https://www.kas.de/de/einzeltitel/-/content/einwanderungsgesellschaft-im-wandel).
Während 57 Prozent der autochthonen Deutschen völlig oder eher dazu tendieren, Russland die Alleinschuld an diesem Krieg zu geben, sind es nur 39 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund und 38 Prozent der Ausländer. Scharfen Widerspruch zur Schuldzuweisung gegen Russland („stimme gar nicht zu“) gibt es lediglich bei 17 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund, jedoch bei 28 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund und bei 25 Prozent der Ausländer/innen. Ebenso glauben 20 Prozent der ethnischen Deutschen „eher nicht“ an eine Alleinschuld Russlands, aber 26 Prozent der Migranten mit deutschem Pass. Hier ist die Zahl der Ausländer, die „eher nicht“ zustimmen, mit 17 Prozent etwas geringer. Der Rest macht keine Angaben oder gibt an, die Frage nicht beurteilen zu können, was ja auch schon interessant ist. Gerade die russlandstämmige Gemeinschaft in Deutschland sei in dieser Frage sehr gespalten, so die KAS-Befragung weiter. 44 Prozent der Russlandstämmigen stimmen einer Bejahung russischer Alleinschuld völlig oder eher zu, 16 Prozent eher nicht und 34 Prozent gar nicht. Besonders eindeutig in ihrer Haltung sind die (von den Russlandstämmigen getrennt erfassten) Spätaussiedler: Fast die Hälfte von ihnen lehnt eine russische Alleinschuld komplett ab. Bei der Gesamtbevölkerung sind es Konfessionslose, Katholiken und Protestanten, die Russland besonders häufig die Schuld geben (56 beziehungsweise 54 und 53 Prozent), seltener orthodoxe Christen und Muslime (27 und 30 Prozent). Bei den beiden letztgenannten Gruppen gibt es außerdem häufiger Personen, die angeben, die Frage nicht beurteilen zu können (KAS 2025, S. 102f.).
Um diese Bedenken schnellstmöglich auszumerzen, gibt es zur NATO-konformen Disziplinierung den Druck durch das „EU-Desinformations-Sanktionsregime“, bei dem auch einzelne Publizisten ohne Anklage, ohne Verteidigung, ohne Prozess und ohne Verurteilung zu sozialen Parias gemacht und bürgerlich praktisch „getötet“ werden (durch De-Banking, Berufsverbot, Bewegungsverbot usw.; vgl. https://www.nachdenkseiten.de/?p=146494; https://www.jungewelt.de/artikel/517616.eu-sanktionen-der-b%C3%BCrgerliche-tod.html). Zugleich machen sich Menschen, die ihnen politisch, finanziell oder juristisch aus ihrer existenziellen Not helfen, neuerdings strafbar (vgl. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1197010.russland-sanktionen-am-langen-arm-der-eu-verhungert.html). Das ist vielleicht auch nochmal die qualitative Veränderung zu früheren Berufsverboten im öffentlichen Dienst. Nicht nur der Ton wird mit der Kriegstüchtigkeit aller Staats-Apparate in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union rauer.
















